Ein Blick über die Schulter des Maultrommelschmieds Petr Osipov

DAN MOI Clemens Voigt & Sven Otto GbR
2014-09-18 00:00:00
Ein Blick über die Schulter des Maultrommelschmieds Petr Osipov - Ein Blick über die Schulter des Maultrommelschmieds Petr Osipov

Maultrommelschmied Petr Osipov (Jakutien)

Fasziniert war Petr Fedotovich Osipov von der Maultrommel so lang er denken kann. Schon als Kind setzte er sich zu den Musizierenden, wenn sie ihre Khomus, die jakutische Maultrommel, zur Hand nahmen und hörte ihnen mitunter stundenlang zu. Als er schließlich 1980 einem der traditionellen jakutischen Maultrommelschmiede, Kiril Kirilowitsch Maltev, begegnete, begann er die Kunst der Herstellung einer Khomus von ihm und später auch von anderen Schmieden zu lernen. Er erhielt seine Kenntnisse von einigen der besten Khomus-Schmiede Jakutiens. Diese Ausbildung prägt die Instrumente aus seiner Werkstatt bis heute: Petr Osipov fertigt Khomus' im alten, traditionellen Stil an, also ohne Ornamente oder Verzierungen, ohne technische Besonderheiten oder experimentelle Formen. Auf die innere Haltung kommt es an.

Um eine gute Maultrommel herzustellen, sagt Petr Osipov, muss man weniger einer technischen Anleitung folgen, als vielmehr einem inneren Gefühl für das Musikinstrument: "Beim Maultrommel schmieden ist es wichtig, dass man mit Herz und Seele dabei ist. Es braucht Geduld. Man formt eine Vorstellung im Kopf, man betet, nennen Sie es wie Sie wollen, man wünscht sich einfach, dass diese Khomus zukünftig die bestmöglichen Töne hervorbringen kann." Eine Khomus anzufertigen kann sehr lange dauern. Die Maultrommelschmiede in früheren Zeiten beschäftigten sich eingehend mit der Person, für die die Maultrommel bestimmt war. Sie lernten die Person erst ganz genau kennen und fragten deshalb nach ihrer Lebensgeschichte, ihren Gefühlen, ihren Wünschen und Träumen. Sie versuchten auch das Gemüt und den Charakter des Menschen zu erspüren. Erst nach dieser Phase des Kennenlernens begann der Schmied das Material zu bearbeiten und die Khomus herzustellen. Heute habe man ganz andere technologische Möglichkeiten, das macht den Herstellungsprozess kürzer. Der zwischenmenschliche Aspekt fällt dabei immer öfter weg. Petr Osipov sagt, dass man es den Maultrommeln anhöre, wenn diese geistige Komponente beim Schmieden gefehlt hat.

Seit Petr Osipov vor zwei Jahren seinen Beruf als Lehrer aufgegeben hat und in Rente gegangen ist, nimmt er sich etwas mehr Zeit, um Maultrommeln zu bauen. Dennoch kommen nur wenige Instrumente aus seiner Hand. Das liegt nicht zuletzt daran, dass Osipov auf dem Land lebt und sich täglich um seine zehn Pferde, den Hof und den Holzvorrat kümmert. Er ist auch ein Vertreter der alten Schule von Maultrommelschmieden: "Ich fertige Maultrommeln auf traditionellem Wege an, ich nehme mir Zeit für den Menschen und das Instrument. Ich versuche herauszufinden, ob die Tonhöhe der Khomus eher tief oder eher hoch sein soll, soll die Metallzunge einen weichen Anschlag oder eher einen härteren Anschlag haben. Die Maultrommeln aus meiner Herstellung sind personalisiert, sie sind auf die individuellen Bedürfnisse der einzelnen Personen abgestimmt. Ich stelle deshalb allerhöchstens 200 Maultrommeln pro Jahr her." In Jakutien ist das Anfertigen von Maultrommeln die Sache einzelner Instrumentenbauer. Einige wenige können davon auch leben.

Der Klang einer jakutischen Maultrommel entscheide sich an der Spannung der Zunge. Darin liege das Geheimnis der Herstellung einer Maultrommel, sagt Petr Osipov. "Ich habe meine eigene Technik, um die Zungen anzufertigen. Es geht nicht nur darum, dass die Zunge präzise in den Metallrahmen eingepasst wird und frei schwingen kann, sie muss auch auf eine bestimmte Art geschmiedet werden." Damit die Maultrommeln beim Spielen keinen Metallgeschmack im Mund hinterlassen, legt sie Petr Osipov, wenn sie fertig sind, für einige Minuten in loderndes Feuer. Auch das, so sagt er, sei ein alter Trick beim Maultrommel bauen. Sein Wissen gibt der Maultrommelschmied an die jüngeren Generationen von Jakutien weiter. Als Referent und Workshopleiter wird er in alle Regionen Jakutiens eingeladen. Er sagt, "das Teilen dieser speziellen Kenntnisse über die Herstellung einer Khomus ist auch für Musizierende wichtig. Wenn sie das Instrument dann spielen, kennen sie auch die Herkunftsgeschichte ihrer Khomus." Als Khomus-Schmied ist Osipov offiziell vom People of the World Khomus Museum and Center in Jakutsk anerkannt.

Es gibt ein Sprichwort in Jakutien: "Bewahre deine Eltern in einer Schatulle auf", das heißt, "Gib auf deine Eltern acht". Diesem Sprichwort folgend, fertigt Petr Osipov für seine Maultrommeln hölzerne Kästchen an. Sie haben die Form von Tierhufen. Darin haben die Khomus' einen sichern Halt, vor allem die Metallzunge ist vor Verbiegungen geschützt. Petr Osipov ist ein leidenschaftlicher Schmied der jakutischen Maultrommel. Seine Philosophie des Schmiedens teilt er mit Interessierten aus der ganzen Welt, nicht zuletzt als Gast auf internationalen Treffen von Maultrommelexpert_innen und -fans in Österreich, Deutschland oder Norwegen. Einige Male, so erzählt er, haben ihn auch schon internationale Gäste in seiner Werkstatt im jakutischen Khampa besucht und ihm beim Anfertigen einer Khomus über die Schulter geschaut. So auch DAN MOI Gründer Clemens Voigt im Jahr 2003. Hier sind ein paar Bilder von seinem Besuch:


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