Fitteafrotte: Neue Maultrommeln aus Italien von Luca Boggio

DAN MOI Clemens Voigt & Sven Otto GbR
Fitteafrotte: Neue Maultrommeln aus Italien von Luca Boggio - Fitteafrotte: Neue Maultrommeln aus Italien von Luca Boggio

Purer Zufall führte Luca Boggio vor einigen Jahren mit dem Ribeba-Spezialisten Alessandro Zolt zusammen. Beide kommen aus dem Piemont und sind Maultrommel-Enthusiasten. Zolt erforscht die Geschichte der Ribeba. Boggio schmiedet Maultrommeln. Ein knappes Jahr arbeiten die beiden zusammen, um die Kopie einer Ribeba aus Valsesia herzustellen. In einem Gespräch mit Helen Hahmann von DAN MOI berichtet Luca Boggio, wie er mit dem vergessenen Erbe der norditalienischen Maultrommeln (Ribeba) umgeht. Boggio begann 2019 mit dem Schmieden und ist mit seinen 32 Jahren ein Newcomer. Beim Kongress der Jew´s Harp Society in Berlin im August 2022 konnte man ihn bereits treffen und auch an anderen Maultrommel-Hot-Spots ist er präsent. Seine Maultrommeln sind Reproduktionen von Ribebas aus dem 18. Jahrhundert, die er unter dem Label Fitteafrotte verkauft, einem lautmalerischen Rhythmuspattern, das aus einer Musiksession mit Freunden entstand.

Ich war schon als Kind begeistert von Musik und habe einige Instrumente ausprobiert. Irgendwann habe ich mich dann für Musikinstrumente aus dem Weltmusikbereich interessiert, z.B. für Trommeln. Ich traf in dieser Zeit auch einen Typen, der mir eine Maultrommel ausgeliehen hat. Wir haben zusammen gespielt. Das hat wirklich Spass gemacht. Ich war fasziniert von der Maultrommel und hörte mir Musik von anderen Maultrommeler*innen an. Mein Interesse ging soweit, dass ich nicht nur spielen wollte. Ich wollte die Instrumente selbst herstellen. Da ist ein Funke übergesprungen.

Seit 2019 baut Luca Boggio Maultrommeln. Er stammt aus dem Ort Strona im Valdilana, etwa 60 km von Valsesia entfernt, dem historischen Zentrum des Maultrommelbaus in Norditalien. Seine ersten Instrumente verkaufte Boggio auf einem regionalen Markt. An seinem Stand schlenderte auch der Musiker, Musikethnologe und Ribeba-Experte Alessandro Zolt vorbei. Die beiden kamen ins Gespräch und verabredeten eine Zusammenarbeit, um eine Ribeba des 18. Jahrhunderts zu reproduzieren.

Alessandro Zolt zeigte mir Bilder von den Instrumenten aus Valsesia und sein Buch über die Ribeba. Wir haben uns dann sehr oft getroffen, um gemeinsam an der Kopie einer Ribeba zu arbeiten, was uns schließlich auch gelang.

 

Dass Luca Boggio praktisch in direkter Nachbarschaft zu einer der ehemals wichtigen Maultrommelproduktionsstätten Europas lebte, wusste er zunächst gar nicht. Erst durch Alessandro Zolt erfuhr er von der Geschichte der Ribeba im Piemont.

Die alten Ribebas haben meinen Stil Maultrommeln zu schmieden natürlich entscheidend beeinflusst. Ich wollte als erstes eine typische Maultrommel schmieden. Darin wollte ich perfekt werden. Danach hatte ich mir vorgenommen, Instrumente für den Verkauf anzufertigen, die nicht so aufwendig herzustellen sind und die ich dadurch etwas preisgünstiger verkaufen kann. Für den Bau einer handgeschmiedeten Ribeba, benötige ich etwa zwei Tage. Ich schmiede sie nicht nur, ich fertige auch die Holzschächtelchen an. Dadurch ist jedes Instrument und jede Schatulle ein Unikat.

Das Schwierigste am Maultrommelschmieden sei die Herstellung der Zunge, sagt Luca Boggio. An dieser Stelle des Instrumentenbaus können die meisten Fehler passieren, etwa dass die Zunge bricht.

Es hat etwa ein Jahr gedauert, bis ich die erste gute Maultrommel geschmiedet hatte. Ich hatte Glück. Alessandro Zolt brachte mich mit einer Frau in Kontakt, die drei Ribebas aus dem 18. Jahrhundert hatte. Sie borgte mir die Instrumente für ein ganzes Jahr. So konnte ich sie genau untersuchen und Kopien davon anfertigen. Inzwischen arbeite ich übrigens auch an Kopien von anderen Maultrommeln des Mittelalters. Diese stammen aus Ligurien und wir haben nur Fotos dieser Instrumente.

Luca Boggio knüpft Kontakte zu anderen Maultrommelschmieden und tauscht sich aus. Jede Maultrommel und jede Art sie zu bauen sei sehr individuell, sagt der 32-Jährige. Im Sommer 2022 besuchte er den Kongress der International Jew´s Harp Society in Berlin und das Ancient Trance Festival in Taucha. Außerdem gab er bei Aron Szilágyi in Kecskemét einen Workshop im Maultrommelschmieden. Auch 2023 will er in Taucha dabei sein und außerdem nach Norwegen zu den Schmieden dort reisen, um von ihnen zu lernen.

Ich bin sehr interessiert andere Maultrommelschmiede zu treffen, also Leute, die die gleiche Begeisterung haben. Ich tausche manchmal auch Instrumente mit Schmieden und lerne so auch von Herstellern z.B. aus Japan oder der Slowakei. Wir bauen alle das gleiche Instrument, aber im Detail unterscheiden wir uns in der Herangehensweise. Vor allem will ich mehr darüber lernen, wie andere die Zunge der Maultrommel herstellen.


Luca Boggios Ribebas in unserem Shop

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