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Trauer, Magie und Glück: Die Duduk als stimmungsintensives World Music Instrument

DAN MOI Clemens Voigt & Sven Otto GbR
2015-04-30 00:00:00
Trauer, Magie und Glück: Die Duduk als stimmungsintensives World Music Instrument -

Der für die Duduk typische Klang wird oft als nachdenklich und schwermütig beschrieben. Dabei geht ein Zauber von den sanften Tönen dieses armenischen Doppelrohrblattinstruments aus, der die Menschen immer wieder aufs Neue in seinen Bann zieht. Tatsächlich ist das Repertoire an traurigen Liedern für die Duduk weit größer als es ausgelassene, tänzerische Melodien gibt. Was aber bedeutet traurig? Welche Klangfarben und Stimmungen können mit der Duduk ausgedrückt werden? Und wann klingt eine Duduk heiter?

„Die Duduk ist das einzige Instrument, das mich zum Weinen bringt“, sagte der armenische Komponist Aram Khachaturian. Tatsächlich ist es eine außergewöhnliche Empfindsamkeit, die aus den Tönen der Duduk spricht. Ganz im Gegensatz zu anderen Oboenformen wie Zurna oder Shehnai strömt Milde aus dem Instrument: zarte, hauchdünne, manchmal zerbrechliche Töne prägen den Charakter der Duduk. So verblüfft es nicht, dass das Instrument in Armenien seltener auf einer Hochzeit, einem Geburtstag oder einer Tauffeier zu hören ist, dafür aber zu Anlässen erklingt, die eines weichen, einfühlsamen Klanges bedürfen, wie etwa Beerdigungen. Die Musik zweier Duduks, die in Armenien auf Beerdigungen gespielt wird, ist hoch angesehen: Eine Duduk spielt konstant den Bordunton. Die andere Duduk spielt die Melodiestimme, geschmückt mit Melismen, Vibrati und Slides.

Der Duduk wird nachgesagt, sie vermöge es dennoch, Traurigkeit und Freude gleichzeitig zum Ausdruck zu bringen. In fast jedem Folk-Ensemble in Armenien ist mindestens ein Duduk-Paar angesiedelt. In Kombination z.B. mit Dhol, Kanun und Kamancheh verliert die Duduk ihren Schwermut und gewinnt an Leichtigkeit. Die Ensembles spielen zu öffentlichen Veranstaltungen und Konzerten und dienen häufig als musikalischer Rahmen für armenische Tanz-Gruppen. In diesem Zusammenhang unbedingt hörenswert ist das Gurdjieff Ensemble:

Nicht nur weil die Duduk auf Beerdigungen gespielt wird, ist sie im Verständnis einiger Armenier ein „ersthaftes“ Musikinstrument, das eine gewisse Reife von seinen Spielern erfordert. Nicht alle Menschen könnten sie spielen, denn sie verlange mehr Kunstfertigkeit als andere, ähnliche Instrumente. Solche Vorstellungen, die bis heute unter armenischen Duduk-Spielern kursieren, halten den Mythos und den einzigartigen Charakter der Duduk am Leben.

Dennoch greifen inzwischen auch außerhalb Armeniens viele Menschen zu dem Instrument. Denn die Duduk ist wie gemacht für Klangenthusiasten, die es genießen Tönen nachzuspüren und ihnen Zeit zu geben. Es ist ein Instrument für Klangforschende, die nach ungehörten Kombinationsmöglichkeiten mit anderen Musikinstrumenten und Musikstilen suchen. Zweifelsfrei ist die Duduk ein Genuss für all jene, die das Magische, das Unsichtbare durch Klang in Bewegung setzen.

Der venezolanische Musiker Pedro Eustache setzt die Duduk sehr erfolgreich in verschiedenen Stilrichtungen ein, darunter Popularmusik, Klassische Musik und Filmmusik:

Außerdem inspirierend für neue Stil-Kontexte und Anwendungsbereiche für die Duduk sind das World Music Ensemble SANS und das Musikprojekt „Sakina & Roye Ma“ mit dem Spezialisten für die Doppelrohblattinstrumente Duduk, Zurna und Mey Emrah Oguztürk.

Und für alle Spotify-Nutzer gibt es hier eine sehr schöne Playlist.