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"Musik, die im tiefsten Innern berührt": Zwei Dokumentarfilme berichten vom Maultrommelfestival 2006 in Amsterdam und von der Duduk in Armenien

DAN MOI Clemens Voigt & Sven Otto GbR
2015-04-28 00:00:00

A Duduk Player's Desk

 

Zwei klangvolle Dokumentarfilme stammen aus dem Haus der Magdeburger Filmproduktionsfirma Blende39, das sind Eva-Luise Volkmann und Peter Bräunig. Bereits 2006 erschien "Mundton", ein Portrait über die internationale Maultrommelszene, gedreht während des 5. Internationalen Maultrommelfestivals in Amsterdam. Auf Anregung des Maultrommel- und Dudukspielers Sören Birke entsteht nun ein zweiter Film. "Bitter Apricot" befindet sich noch mitten in der Produktion. Der Musikdokumentarfilm berichtet über die Beziehung zwischen dem weltberühmten Dudukspieler Djivan Gasparyan und seinem Enkel, der das Dudukspielen in die nächste Generation tragen möchte. Eva-Luise Volkmann von Blende39 sprach mit Helen Hahmann über die Beweggründe und den Reiz sich diesen beiden Musikinstrumenten in zwei Dokumentarfilmen zu nähern.

Eva-Luise Volkmann und Peter Bräunig studierten Journalistik und Medienmanagement, als der Filmemacher und Maultrommelspieler Gerd Conradt an der Hochschule Stendal ein Seminar unter der Überschrift "Videopoesie" anbot. Als sich 2006 die Chance bot, mit Conradt nach Amsterdam zum Internationalen Maultrommelfestival zu reisen und dort einen Portraitfilm über die Maultrommel zu realisieren, mieteten Volkmann und Peter Bräunig mit Grit Bemann und Jessica Preuß einen Kleinbus und fuhren los. "Als wir auf dem Festival ankamen, hat uns am meisten beeindruckt, dass dort Menschen aus der ganzen Welt, aus unterschiedlichsten Kulturen zusammenkamen, die alle dieses kleine Instrument gespielt haben, das eine enorme Wirkung hatte. Dass das Instrument so eine starke Wirkung ausübte, war uns vorher gar nicht bewusst. Wir wussten auch nicht, dass es so viele Formen und Arten der Maultrommel auf der Welt gibt. Das war so eine ganz ferne Welt, die plötzlich in diesen europäischen Kontext getragen wurde. Diese Spielweise hatte etwas sehr ursprüngliches, etwas, das einen im Tiefsten inneren berührt", erinnert sich Eva-Luise Volkmann an den Dreh in Amsterdam. Der Film sollte die aktuelle Maultrommel-Szene und die damit verbunden Emotionen nachzeichnen.

Im Film "Mundton" kommen viele der bis heute prägenden Protagonisten zu Wort: Tran Quang Hai, Albin Paulus, Anton Bruhin, Sylvain Trias, Luca Recupero. Faszinierend ist die Vielzahl der Menschen, die der Film portraitiert. Auch Sven "Roxi" Otto und Clemens Voigt, die Gründer von DAN MOI, sind in dem Film sehen, weiterhin der nordindische Musiker Bangalore Rajashekar auf der Morchang und Steev Kindwald aus den USA. "Der Film ist in der Maultrommelszene sehr bekannt, obwohl er noch nicht auf Festivals gezeigt wurde", berichtet Eva-Luise Volkmann. Mittlerweile kann man "Mundton" auch online bei Vimeo schauen.

Die beeindruckende Geschichte des Duduk Virtuosen Djivan Gasparyan und seinem Enkel Djivan Gasparyan Jr. wird in "Bitter Apricot" erzählt, der Film soll 2016 fertig gestellt sein. Es ist die Geschichte des jungen Gasparyan, der mit Anfang 30 aus Los Angeles nach Armenien zurückkehrt, um von seinem Großvater Duduk spielen zu lernen. Gasparyan Sr. reicht das musikalische Erbe an seinen Enkel weiter. Dieser Prozess wird seit 2011 von dem Blende39-Team filmisch begleitet. "Die Geschichte des Films handelt von Djivan Sr., es ist eine fast märchenhafte Geschichte. Djivan Sr. hörte die Duduk das erste Mal im Alter von 6 Jahren in einem Stummfilmkino in Jerevan. Damals wurden die Schwarz-Weiß Filme von Duduk-Ensembles musikalisch begleitet. Er war so fasziniert und berührt von diesem Instrument, dass er entschied das Instrument zu lernen. Nach dem Film ging er zu einem der Männer aus dem Ensemble, Margar Margaryan, und fragte ihn, ob er ihm nicht ein Instrument schenken könne. Er bekam tatsächlich ein Instrument und begann darauf zu üben. Margar Margaryan wurde später Gasparyans sein Lehrer."

Eva-Luise Volkmann erzählt diese Geschichte mit dem Wissen, welchen verblüffenden Weg Gasparyan genommen hat. "Als er Anfang der 1950er Jahre das erste mal nach Moskau zu einem Musikwettbewerb eingeladen wurde, wusste noch niemand, was eine Duduk ist. Er gewann diesen Wettbewerb unter 5000 anderen Teilnehmenden und bekam von Stalin den ersten Preis überreicht: eine goldene Uhr. Er spielte später noch viele weitere Wettbewerbe in der Sowjetunion, damals kannte ihn im Westen noch kaum jemand." Erst als Brian Eno 1989 auf die Duduk und Gasparyan Aufmerksam wurde, öffnete sich für das Instrument und seinen Interpreten der Weg gen Westen. Sein erstes Album "I will not be sad in this world" erschien bei All Saints Records in Großbritannien.

Aufgrund der Überzeugung, dass das Wissen um die Melodien und die Spieltechnik der Duduk weiter gelebt werden müssen, hat sich Gasparyans Enkel nun auf den Weg gemacht, selbst die Kunst des Duduk Spielens zu lernen. Gasparyan Jr. sagt, "der Klang ist deine Stimme. Ich denke, wenn ich nicht mit meiner Stimme sprechen könnte, dann würde ich mich über mein Instrument, die Duduk, artikulieren. Das Duduk Spielen kommt aus deinem Inneren, alles zählt: wie du sprichst, dein Lebensstil, deine Gedanken. Das alles spielt eine wichtige Rolle." Djivan Gasparyan Sr. wurde 1928 geboren, heute gibt er mit seinem Enkelsohn gemeinsam Konzerte. "Das tiefste Anliegen von Djivan Sr. und Djivan Jr. ist es, diese Musik in die Welt tragen", hat Eva-Luise Volkmann bei den Filmdrehs beobachtet. Auch anlässlich des 100. Jahrestags des Genozids an den Armeniern im April 2015 reiste sie mit Peter Bräunig, Sören Birke und Rosanna Karapetyan nach Jerevan, um ein Konzert von den beiden Duduk-Spielern zu filmen und dokumentiert damit auch die gesellschaftliche Bedeutung von Duduk-Musik für viele Armenierinnen und Armenier weltweit.

Hier ist der erste Teaser zu "Bitter Apricot" bei Vimeo zu sehen.

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Und hier ist die Facebook-Seite mit den aktuellsten Informationen zu BITTER APRICOT.

Das Interview kann hier bei freie-radios.net auch nachgehört werden.

Und mehr Info über Blende39 gibt's auf deren Website:

Film-Produktionsfirma Blende39